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Interview zum HY! Pop-up-Store
Einige haben es vielleicht schon durch Facebook oder ähnliche Medien mitbekommen und auch an mir ist es nicht vorbeigegangen. In der Dresdner Centrum-Galerie gibt es neuerdings einen Pop-up-Store. Aber was ist eigentlich ein Pop-up-Store? Was gibt es dort zu kaufen und zu sehen? Welches Konzept steckt dahinter? Wer sind die Macher? Diese und weitere Fragen beantwortet mir Ronny Ullrich.
Interview: Sebastian Rapp
Fotos: Kay Damme / ATMO Designbüro, Thomas Schlorke / CROMATICS, Nico Müller / SNAGLY
Hallo Ronny. Stell Dich doch bitte kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?
Auf dem Ausweis ist Ronny Ullrich zu lesen. Freunde sagen Ron. Ich bin geschäftsführender Partner der Kreativagentur CROMATICS aus Dresden. Unsere Agentur entwickelt Konzepte zur Verbindung von kulturellen Bewegungen und Marken. Lokal und national bekannt sind wir unter anderem für die Veranstaltungsreihen Secret Wars und PAINT CLUB und für das eine oder andere charmante, überraschende oder beachtendwerte Projekt unter anderem für Levi’s oder Converse. Mein Part in der Agentur ist vor allem Konzeption und Kreativdirektion. Ansonsten bin ich auch mal gern Peter Lustig. Ich lache gern und bringe gern andere Leute zum Lachen. Auch auf meine eigenen Kosten.
Wie kam es zur Idee diesen Pop-up-Store zu eröffnen und wer steckt dahinter?
Durch unsere spezifische Agenturarbeit, einen ausgeprägten Lokalpatriotismus und die Einstellung immer mit den am besten geeigneten Menschen zusammenzuarbeiten reifte bereits im vergangenen Jahr bei uns der Gedanke, mit befreundeten Agenturen aus Dresden ein gemeinschaftliches Projekt zu starten, bei dem jeder seine spezifische Kompetenz einstreuen kann und wir ordentlich auf die Kacke hauen können. Durch chronische Zeitknappheit am Jahresende und die fehlende Projektidee ist das zunächst liegengeblieben.
Im Dezember ist dann die Centrum-Galerie auf CROMATICS zugekommen, mit der Anfrage ein Store-Konzept zu entwickeln, dass temporär Mietflächen im Haus füllt und sich abseits normaler Einzelhandelskonzepte bewegt. Das heißt plötzlich gab es eine konkrete Aufgabenstellung. Und das Team dazu hatten wir bereits in der Hinterhand. Hier kommt zusammen was zusammengehört. Geballte Expertise für Kommunikation, Design, Inszenierung und Zeitgeist mit den Dresdner Kreativ- und Designagenturen ATMO Designstudio, neongrau, PAULSBERG, SNAGLY und eben CROMATICS.
Warum heißt der Laden „HY! Pop-up-Store?
Der Name HY! lässt verschiedene Aussage zu. Erstens, wir grüßen die Stadt. Denn HY! ist ein Novum für Dresden. Zum Zweiten begrüßen wir Marken. Denn HY! ist eine Spielwiese für bislang unentdeckte oder außergewöhnliche Marken und Labels. Und drittens, begrüßen wir interessierte Kunden. Denn HY! richtet sich an Menschen die Individualität, Design, Novität und Lifestyle schätzen. HY! ist ihr Magnet, ihr Gesprächsstoff.
Der Begriff Pop-up-Store ist nicht neu. Einige Marken, vor allem im Modebereich, nutzen diese Form der temporär begrenzten Erscheinung für gezielte Promotion oder zur Markteinführung spezieller Produkte an ungewöhnlichen Orten oder beispielsweise bei Messen. Die Erklärung steckt im Namen selbst. Pop-up! Aufpoppen. So wie Pilze eben. Kaum sind sie da kommt der Sammler und füllt sein Körbchen. Bei uns sind die Körbchen aus braunem Papier und heißen Tüten.
Welche Ziele verfolgt ihr mit der Idee?
Mit HY! möchten wir außergewöhnliche, teils unentdeckte und lokale Marken präsentieren und geben ihnen eine sehr prominente Schaufläche. Warum das Ganze? Alle Mitstreiter im HY! Collective sind stolz auf Dresden und wollen mit ihrem Engagement ein Statement setzen, für eine junge, zielstrebige und progressive Stadt. Auch deshalb passt HY! so gut zur Centrum-Galerie. Denn das Center schlägt architektonisch die Brücke über Barock und Nachkriegszeit in die Zukunft. Und mit unserem Hang für Neues rennen wir sowohl beim Centermangement als auch dem Betreiber Corio offene Türen ein. Der Einzelhandel muss und wird sich verändern und HY! ist ein mögliches Konzept dafür.
Außerdem ist dieses Projekt nicht nur ein Pilot für ein tragfähiges Store-Konzept sondern auch der Testlauf für die agenturübergreifende Arbeit. Wir selbst sind also gespannt, was sich daraus entwickelt.
Welche Produkte können wir im Shop erwerben und warum habt ihr diese Marken ausgewählt?
Die Marken, die präsentiert werden ordnen sich immer einem Thema unter. Erstes Thema für den Monat April war „Urban Mobility“. Vorgestellt wurden die Marken veloheld, helt.pro und triple2. Dazu gab es später noch Taschen von BAICYCLON einem Sublabel von bagjack.
Anfang Mai war Frühjahrsputz und wir präsentieren nun neue Marken zum Thema „Handmade Garments“. Absoluter Hingucker ist dabei die Schauwerkstatt von Ruttloff Garments. Das Dresdner Label von Johann Ruttloff schlägt die Brücke zwischen traditioneller Denim-Verarbeitung und zeitgemäßer urbaner Mode. Im Store findet an bestimmten Terminen die Endfertigung von Jeanshosen statt und die Kunden können direkt mit dem Labelinhaber ins Gespräch kommen. Ebenso dabei ist das Label Canuto, der jungen Designerin San Sander. Mit ihrer Vision von Mode als Ausdrucksmittel von Körper und Seele entwirft und fertigt sie Mode hier in Dresden für Sie und Ihn, irgendwo zwischen chic und legere, verspielt und elegant.
Nicht weniger interessant ist Miinuc, ebenfalls aus Dresden. Die Labelgründerin Sylvia Petrasch vereint in ihren Entwürfen Illustration und Mode und bietet ihre femininen Sammlerstücke zu sehr erschwinglichen Preisen an. Und das ist noch nicht alles. Reinschauen lohnt sich.
Seit Anfang an gibt es außerdem – erstmals in Dresden und nur bei HY! – Bier der Marke Pale Ale aus München, bislang unserer absoluter Verkaufsschlager. Eigentlich haben wir es nur testweise versucht und angeboten. Inzwischen kommen Kunden, kaufen ganze Kisten und veranstalten Pale-Ale-Parties. Hier sieht man, welche Kraft solch ein Konzept wie HY! für Marken hat, die einfach mal testen wollen, was der Markt hergibt. Und der Markt ist gierig nach tollen Produkten.
Kommen in Zukunft noch weitere Produkte dazu?
Wir kommen ständig mit neuen Marken ins Gespräch und verändern immer wieder die Auslage.
Wie reagieren die Besucher auf dieses Konzept? Wird es verstanden? Müsst ihr viel mit den Leuten sprechen um sie für das Konzept und die Produkte zu begeistern?
Einige Kunden trauen sich zunächst nicht in den Laden. Man blickt in fragende und trotzdem sehr oft begeisterte Gesichter. Die Leute können mit dem Laden oftmals nichts anfangen, weil er nicht zu ihren üblichen Sehgewohnheiten passt. Wiederum die Menschen, die die erste Hürde Tür nehmen und mit unseren Mitarbeitern ins Gespräch kommen, äußeren sich fast ausschließlich positiv. Sie fragen nach wie lange diese oder jedes Produkt noch verfügbar ist um mit dem Mann wiederzukommen, schwärmen für ein spezielle Details oder freuen sich einfach nur, in Dresden so etwas vorzufinden.
Was wäre notwendig wenn ich mein eigenes Produkt im HY! Pop-up-Store anbieten wollen würde? Besteht die Möglichkeit, dass mein Produkt in euer Sortiment aufgenommen wird? Was müsste ich dafür tun und an wen wende ich mich?
Wie schon gesagt, wir sind offen für alles. Zunächst einmal muss das Produkt oder die Marke zu einem Thema von uns passen oder ihr eigenes Thema definieren, um das sich wiederum andere Marken sinnvoll arrangieren lassen. Die Novität aber auch die gewisse Einzigartigkeit vom Produkt muss gegeben sein. Wenn ich dein Produkt also schon bei Deichmann, SportScheck oder Höffner kaufen kann ist der HY! Store nicht der richtige Ort für dich. Das heißt aber nicht, dass wir Tor und Tür vor großen Marken verschießen. Wenn diese eine Produktneuheit testen wollen oder erstmals in Dresden auf den Plan treten heißen wir sie mit einem herzlichen HY! willkommen. Es muss sich einfach gut anfühlen. Ansprechpartner bin dann auch direkt ich.
Wie sieht die Zukunft aus? Wie beeinflusst ein solches Konzept die Shops in der unmittelbaren Umgebung? Kamen schon Mitarbeiter anderer Shops bei euch „spionieren“?
Die Zukunft ist völlig offen. Wir sind im Moment in der Test- und Probierphase, wollen aber das Konzept binnen weniger Monate wirtschaftlich tragfähig bekommen. Da ist noch eine Menge zu tun. Ich bin ziemlich sicher, dass ein solches Konzept wie bei HY! eine Antwort auf rückläufige Besucherzahlen in Shopping-Centern sein kann. Wir bieten etwas, was man bei Onlinehändlern wie Amazon oder klinisch stringent durchgestylten Centern nach Schema F nicht finden wird.
Ob Mitarbeiter von anderen Läden schon da waren vermag ich nicht zu sagen. Aber Peyman Amin, Ex-Juror von Germany’s Next Topmodel, war schon zu Besuch, hat den unseren Tischkicker bespielt und sich sehr positiv geäußert.
Was gibt es in nächster Zeit im HY! Zu sehen? Habt ihr irgendwelche besonderen Events oder ähnliches geplant?
Alles im Fluss. Schau vorbei oder verfolge uns auf unserer Facebook-Seite.
Wo können wir uns über neue Produkte im Shop informieren?
Aktuell ist unsere Facebook-Seite der Kanal für solche Informationen. Für unsere Kommunikation sehe ich aktuell noch Entwicklungspotenzial. Testphase eben.
Vielen Dank für das nette Gespräch. Möchtest Du noch was sagen? Gibt es noch was, was wir vergessen haben?
BE CURIOUS, NOT FUZZY. SAY HY!
–Das Interview führte unser Gastautor Sebastian Rapp.–


















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