FESTIVAL Programmheft Check!

Wir sind ungewaschen, stinken, sind verkatert, tanzen und grölen laut umher. Und weil das so schön ist und es in unserer Gesellschaft nicht viele Orte gibt, an denen wir uns noch mit tausend anderen Gleichgesinnten austoben können, fahren wir eben jeden Sommer aufs neue zu den abgelegensten Plätzchen, um gemeinsam unseren Freudentanz auszurufen, oder einfach nur mit anderen Worten: Ohne schlechtem Gewissen bis zum Erbrechen kapitulieren zu können.
Gar keine Frage, Festivals gehören zu unserem Pflichtprogramm im Sommer. Aber sie sind mehr als nur eine zeitnahe Aneinanderreihung von diversen Bands?
Jedes Festival bringt seine ganz eigene Atmosphäre mit sich, jedes ist anders aufgebaut oder folgt einem anderen Konzept, Lageplan, Spielplan und so weiter.
Aber wie viel Zeit bleibt eigentlich noch, nach erfolgreichen Aufbau des Zelts, bis die erste Band spielt? Generell, welche Bands spielen eigentlich? Wo ist die Bändchenübergabe und überhaupt, wo gibt es Bier? Fragen über Fragen.
Was wären wir eigentlich auf einem Festival ohne einen Zeitplan zu besitzen? Aus Erfahrung würden wir viele gute Bands verpassen. Zum Glück gibt es da aber noch Programmhefte, die unserer Resignation ein wenig Abhilfe schaffen.
Sind diese aber übersichtlich gehalten, passen sie zum Mitnehmen in die Hosentasche, bedarf es eine Anleitung um zum Timetable zu gelangen? All das haben wir uns zusammen mit : Philipp von MusicHeroes gefragt und näher angeschaut. Ab sofort findet ihr hier aller zwei Tage eine neue Vorstellung und Begutachtung eines dieser Festialprogramme. Feedback ist dabei gern erwünscht.
One two Check! …Check! One Two! Unser erster Kandidat ist das Nachtdigital, dass in diesem Jahr bereits zum zwölften mal im sächsischen Olganitz stattgefunden hat und mit der jährlichen Begrenzung von 3000 Besuchern der “kommerziellen Massenabfertigung” eher den Rücken kehren will.
Stil: Elektro, Techno, House
mit: Moderat, Black Rose (Henrik Schwarz & Jesse Rose), Tim Exile, The Field, Wighnomy Brothers und viele mehr
Ort: Olganitz nähe Leipzig

Katja: Wir können wirklich von Glück sprechen, dass wir das Nachtdigitalprogrammheft überhaupt vorliegen haben. Der gute Andreas von banq brachte mir das Schmuckstück vom Ort des Geschehens mit und ich war sofort hin und weg. Das Heft ist entzückend und macht wirklich etwas her – hier hat sich jemand Mühe gegeben.
Was mir beim ersten Kontakt mit einer solchen Publikation natürlich als erstes auffällt ist das Papier. Hier kam ein schönes Naturpapier zum Einsatz, welches gut zur weiteren Gestaltung des Heftes passt.
Bei der Gesamtgestaltung wurden knallige Sonderfarben, wie pink und türkis mit Schwarztönen kombiniert. Statt Bildern wurden jegliche Darstellungen von Künstlern illustrativ gelöst, auf Bildmaterial wurde völlig verzichtet, was das Heft zu einem kleinen Kunstwerk macht.
Kommen wir zu den Hardfacts: Der Zugriff auf den Timetable (genau in der Mitte) ist gut gelöst, beim Aufklappen des Heftes schlägt man ihn direkt auf, das erspart unnötiges Suchen. Das Format (A5+) des ganzen ist, meiner Meinung nach, etwas zu groß geraten – nicht sehr praktisch um es während des Festivals in Jacke oder Hose zu verstauen, um bei Bedarf einen Blick reinzuwerfen.
An Typo und Schriftsatz lässt sich hier und da noch feilen. Was ich als sehr erholsam und angenehm empfinde ich das Fehlen von Anzeigen. Es geht also auch ohne Werbung!
Das Programmheft ist eine perfekte Zutat zum Erscheinungsbild des gesamten Festivals. Beim Nachtdigital gibt es noch die freien Idee auf kleiner Bühne, keine Menschenmassen (limitierte 3000 Karten) und viele bunte Ideen: Etwas ganz Besonderes. Das Heft kommt in die Sammlung!
Wertung:

Phil: Ich muss zugeben, dass ich ein wenig mit sabbern anfing, als ich die zwölfte Ausgabe des Nachtdigital in die Hände gedrückt bekommen habe. Allerdings war mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar, dass es sich dabei wirklich um das Nachtdigitalheftchen handelte, ganz zu Schweigen überhaupt ein Programmheft darstellte.
Zu verschieden einfach wie seine anderen Programmheftkollegen. Vom ersten Eindruck könnte das nämlich auch der geistige Hirnschiss einer Kunsthochschule sein, die bringen auch immer solche wundervollen Teile heraus. Ein mit so viel Liebe angelegtes Festivalheft habe ich zuvor aber noch nicht gesehen. Fast alle Bandportraits wurden mit frohlockenden Neonfarben illustrativ umgesetzt, der Timetable zum schnellen Aufschlagen clever im Mittelteil platziert und neben einer umfassenden Berichterstattung der Künstler (sogar mit Interviews!!) ist nervende Werbung kaum zu finden. Das muss man erst mal nachmachen. Hut ab!
Aber leider nützt das nicht viel, wenn so ein Heft nur für die hausinterne Kunstvitrine geeignet ist. Ehrlich, es ist so hochqualitativ angelegt, dass man schon mit den Gedanken spielt, darauf zu onanieren. Mit einem unhandlichen Format von 17×22 Zentimetern lässt man es dann doch lieber im Zelt. Und wer jetzt auf die Idee kommt, es zu falten, braucht entweder eine Papierpresse oder Klamotten im XXL Format, damit es nicht allzu offensichtlich vom Körper hervorsticht. Mit anderen Worten, dass Papier ist einfach zu dick.
Dennoch bleibt die diesjährige Ausgabe ein optischer Leckerbissen, in der man auch gern nach dem Festival noch stöbern will.
Wertung:
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–KarlaQ–

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feine sache, so eine programmheftchenbewertung!! und geniale texte, kollegen. kewl! ich freu mich auf die nächsten folgen und all die staffeln, die ihr zwei noch zusammen auf eure blog-bühne bringt.. ;)